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Joe Hill - Horns
Iggy Perrish erwacht nach einer Nacht, in der er schlimme Dinge getan hat, reichlich verkatert und muss feststellen, dass ihm Hörner aus der Stirn gewachsen sind. Aber das ist nur ein weiterer Stein in dem Rucksack, den er mit sich herumschleppt, denn er wird immer noch verdächtigt, vor einem Jahr seine Freundin erschlagen zu haben. Schnell merkt Iggy, dass die neuen Körperteile mit einer besonderen Gabe ausgestattet sind: Sobald jemand sie erblickt, verfällt er in eine Art Trance und plaudert bereitwillig die dunkelsten Geheimnisse seines Lebens aus. Auf diese Weise entdeckt Iggy rasch die Identität des wahren Mörders und plant seine Rache. Ganz so einfach ist das jedoch nicht, denn seine Fähigkeiten sind begrenzt und sein Körper beginnt, sich weiter zu verändern... Joe Hill ist mit "Horns" erneut ein höchst veritabler Horrorthriller gelungen, flott und verdammt spannend geschrieben, dazu eine Menge schwarzer Humor gewürzt mit Empathie, eine exquisite Mischung. Natürlich ist der Leser versucht (ich nehme mich da nicht aus), in seinen Büchern Parallelen zum Werk des berühmten Vaters zu finden, aber das sollte man der Fairness wegen unterlassen; es ist auch nicht nötig, denn der Autor kann sehr gut auf eigenen Füßen stehen. Nach einem rasanten Start erfolgen dann etliche Rückblenden mit einigen Längen, aber die Protagonisten sind allesamt stimmig in die Handlung eingebaut, die beim Leser zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommen lässt. Außerdem: Wer ein Kapitel seines Buchs mit "The Gospel according to Mick and Keith" betitelt, hat nichts anderes als die Höchstwertung verdient! Joe Hill Horns Gollancz 2010 ASIN: B003EH18S4 Kommentare
Weise Worte von Prinz Rupi
Wohl jeder, der regelmäßig schreibt, sei es beruflich oder auch einfach nur aus Spaß an der Freud' kennt folgende Situation: Man sitzt vor dem Monitor/der Schreibmaschine/einem Blatt Papier und wartet darauf, dass sich dort möglichst geistreiche Sätze von selbst materialisieren, da das eigene Gehirn beschlossen hat, es heute mal etwas ruhiger angehen zu lassen. Es muss sich dabei ja nicht gleich um eine ausgewachsene Schreibblockade handeln, nein, es reichen schon ein wenig Ablenkung, fehlende Fokussierung, die teuflische Versuchung der Prokrastination oder tausend andere Dinge. Blöd nur, wenn der zu erstellende Text keinen Aufschub mehr duldet. In Fällen wie diesen empfiehlt es sich, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und zwar diesen Ratgeber von Rupi Frieling. Der Autor greift hier ganz tief in seine Trickkiste und steigt hinab in das Unterbewusstsein, um dem Leser (bzw. dem Schreiber) zu helfen, dort verborgene Schätze zu bergen. Und Frieling weiß fürwahr, wovon er spricht, hat er sich doch schon sein ganzes Leben höchst erfolgreich mit Literatur beschäftigt, sei es als Leser, als Autor oder als Verleger. Allerdings hat das Buch weit mehr zu bieten als pfiffige Psycho-Tipps, es wartet mit vielen Beispielen von Größen der Literaturgeschichte auf und gibt hilfreiche Ratschläge in allen Belangen des Schreibens und Veröffentlichens. Das Wichtigste jedoch: Es macht dem angehenden Autor Mut, sein Ziel zu verfolgen, und zwar von der ersten bis zur letzten Seite. Frieling geht dabei mit bestem Beispiel voran, denn alleine schon wegen des Vergnügens der fein geschliffenen bilderreichen Sprache lohnt es sich, dieses Buch zu lesen. Wilhelm Ruprecht Frieling Wie Autoren ihre unbewussten Kräfte aktiv nutzen können Internet-Buchverlag; Auflage: 1.0 (2. August 2012) ASIN: B008SGDM7G Kommentare
Vince ist der Anführer einer Motorrad-Gang, bestehend aus Veteranen der Kriege in Vietnam und Irak, darunter auch sein Sohn Race, mit dem ihn ein zwiespältiges Verhältnis verbindet. Da bei einem geplatzten Drogengeschäft die Dinge außer Kontrolle geraten sind, versuchen die Jungs erst einmal Land zu gewinnen, unschlüssig und uneins über das weitere Vorgehen. Nach einem kurzen Aufenthalt in einer Raststätte bekommen es die Biker aus heiterem Himmel mit einem mächtigen Gegner zu tun: Ein Riesentruck, der sie nacheinander aufs Korn nimmt, scheinbar grundlos gnadenlos Jagd auf sie macht und sie über die menschenleeren Highways hetzt. Nun muss sich die zerstrittene Gruppe zusammenraufen, um eine Chance aufs Überleben zu haben... Diese Kurzgeschichte ist eine Hommage an Richard Matheson?s ?Duell?, das unter dem gleichnamigen Titel von Steven Spielberg erfolgreich verfilmt wurde. Zwangsläufig fehlt den Protagonisten etwas die Tiefe, aber dafür werden Action und Spannung gekonnt hochgehalten, dem Leser bleibt kaum Zeit zum Luftholen. Reizvoll dabei auch aus Sicht der Autoren der Vater-Sohn-Konflikt in der Geschichte, handelt es sich bei Joe Hill doch um den ältesten Sohn von Stephen King. Die beiden haben ihre Kooperation souverän hinbekommen, man darf getrost annehmen, dass Großmeister King eher für die Entwicklung der Story zuständig war und dem Sohnemann die drastische Schilderung graphischer Details überlassen hat. Und ja, im Gegensatz zu Spielbergs Film wird auch ein Motiv für die Handlungen des durchgeknallten Truckers geliefert. ?Throttle? ist beispielhaft für die Möglichkeiten des eBook, die gerade Stephen King schon früh erkannt hat, er bietet den Fans hier einen schnellen Happen für zwischendurch und verkürzt ihnen so die Wartezeit bis zum nächsten 900-Seiten-Wälzer. Joe Hill und Stephen King Throttle William Morrow 2012 ASIN: B007QXV9S6 P.S.: Der fleißige Rezensent freut sich über positive Bewertungen bei Amazon! http://www.amazon.de/product-reviews/B007QXV9S6/ref=dp_top_cm_cr_acr_txt?ie=UTF8&showViewpoints=1 Kommentare
Monströs: Indie-Autor landet Super-Hit
Chris Karlden ist als Autor ein bislang unbeschriebenes Blatt. Der 41jährige Saarländer legt mit »Monströs« seinen Erstling vor und trifft damit gleich voll ins Schwarze. Aus dem Nichts schob der Self-Publisher seinen Psychothriller in die Top Ten von Amazons Bestenliste. Ex-Anwalt Martin Waller wurde erpresst und verhalf damit einem Mörder zur Freiheit. Dafür stieg er aus der Welt der schwarzen Roben aus und baute sich eine neue Welt als Möbelrestaurator auf. Doch seine einstige Missetat soll sich rächen. Ihm auf den Fersen ist Eddie Kaltenbach. Der ehemalige Killer und sein bestialisches Alter Ego Raphael ziehen eine blutige Spur durch die Geschichte und lassen sich letztlich doch nur wie eine Marionette führen. Zwar hilft Ram, ein freakiger Hacker, Waller mit Recherchen. Und auch Selma, eine kühle Blondine, ist immer zur Stelle, wenn Waller Rat braucht. Doch all das reicht nicht aus, das Grauen abzuwenden, das ihn im Schneesturm in einem Zermatter Berghotel erwartet. Karlden versteht es, seinen Leser schon mit wenigen Sätzen in Bann zu schlagen. Er weiß, was Cliffhanger sind und wie sie eingesetzt werden. Er versteht sich ganz offensichtlich auf Ängste und den Umgang mit ihnen. Er kennt die Technik des Spannungsbogens. Schließlich beherrscht er Orthographie und Zeichensetzung, woran viele Indie-Autoren bislang scheitern. Kritisch einwenden lässt sich lediglich die Detailverliebtheit des Autors, die besonders bei Beschreibungen vom Örtlichkeiten überbordet, den Fluss der Geschichte aber nicht behindert. Er ließe sich auch einwenden, dass sehr viel Blut in kurzer Zeit fließt ? doch wer bestimmt das Maß? Den Lesern jedenfalls scheint es zu gefallen, sonst würde Karldens Psychothriller in den Hitparaden nicht direkt unter dem literarischen Müllhaufen "Shades of Grey" auf Platz Zwei kleben. Hinzu kommt ein Superpreis von nur 99 Cent, für den der Self-Publisher immerhin Lesestoff im Umfang von umgerechnet knapp 300 Druckseiten liefert. Wer Kopfkino für heiße Sommernächte braucht, wird mit diesem Roman erstklassig bedient. Ich wette, es dauert nicht lange, und der Stoff kommt tatsächlich in die Kinos. Chris Karlden Monströs. Psychothriller Kindle-Edition 2012 Wie Chris Karlden es geschafft hat, in nur zwei Monaten auf Platz 2 der Amazons-Bestenliste zu kommen, verrät er in einem Interview. Das Gespräch findet sich in meinem E-Book »WIE MAN ERFOLGREICH E-BOOKS VERKAUFT«. Kommentare
Michael Ondaatje - Katzentisch
Exotischer Schauplatz des Geschehens: Ein Ozeanriese mit dem Prunk und Pomp der frühen fünfziger Jahre auf dem Weg von den Kolonien des britischen Empire heim ins geliebte Mutterland. An Bord eine bunt gemischte Gesellschaft, die noch ignorieren kann, dass die glanzvollen Zeiten des britischen Empire hinter ihnen liegen. Unter diesen Passagieren sind die drei Kinder Michael, Ramadhin und Cassius, die auf dieser Reise ihre ersten Schritte heraus aus einer zwar wohlbehüteten, aber exotischen kolonialen Kindheit machen werden. Im Speisesaal sind die Kinder an den Katzentisch verbannt, gemeinsam mit anderen Außenseitern wie der altjüngferlichen Perinetta Lasquetti, die ihre Brieftauben an Deck spazieren führt oder dem melancholischen Pianisten Max Mazappa, der den Katzentisch mit obszönen Schlagern unterhält. Die Gesellschaft am Katzentisch ist gleichwohl geheimnisumwitterter, unterhaltsamer, spannender als die gepflegte Langeweile in der ersten Klasse, das merken die drei sehr schnell. Die drei Kinder sind alleine an Bord, fast ohne jede Aufsicht oder Kontrolle durch Erwachsene und für sie ist das alles ein großes Abenteuer. Sie beschließen, jeden Tag mindestens ein Verbot zu übertreten. Sie picknicken stibitzte Häppchen in den Rettungsbooten, tauchen des Nachts im Swimmingpool, assistieren einem charmanten, aber diebischen Baron, beobachten Michaels schöne Cousine Emily bei der ersten Liaison ihres Lebens mit dem Wahrsager der Artistengruppe und sind zu guter Letzt unbeabsichtigt verantwortlich für den Tod eines mit dem Fluch der Tollwut belegten steinreichen Großmoguls. Nach der Reise verlieren sich ihre Wege, kreuzen sich aber später wieder. Sie hören nicht auf den Rat der klugen Perinetta "Verzweifle jung und blicke nie zurück", sondern interpretieren diese Reise als prägend für ihr ganzes Leben. Für sie waren es neben den Abenteuern die Fremden am Katzentisch, die sie an diesem frühen Wendepunkt ihres Lebens zu anderen Menschen machten. Die Erzählung wirkt wie ein Märchen aus längst vergangenen Zeiten, eine Hommage an die Zeit, als Sri Lanka noch Ceylon hieß und das britische Empire führend in der Welt. Das Schiff wirkt wie das Sinnbild einer Arche für alle möglichen Typen von Menschen, die meisten davon entwurzelt. Den Kindern noch unbewusst stellt dieses Konglomerat die Weichen für ihre Entscheidung, an welchem Tisch des Lebens sie künftig sitzen wollen Katzentisch ist ohne Frage ein klug konstruiertes Buch, gezielt die wehmütigen Gefühle im Visier, die solcherlei Kindheitserinnerungen beim Leser wecken mögen. Dabei schießt der Autor gelegentlich über sein Ziel hinaus. Ich empfand den Roman als überkonstruiert und in dieser Form berechnend. Nach dem englischen Patienten konnte Ondaatje nie wieder so recht an diesen großen Erfolg anknüpfen. Nachdem der englische Patient ein Mann ohne Erinnerung war, geht es im neuen Roman nun in erster Linie um die Erinnerung und was sie aus unserem Leben macht. Ondaatje betont in einer Nachbemerkung, die Erzählung sei reine Fiktion ? gleichwohl, die Versuchung ist groß, autobiographische Züge in den Roman zu deuten. Schon früh im Buch heißt es: "Wir haben alle einen alten Knoten im Herzen, den wir gern lockern und auflösen würden." Von da an kann der Leser sich kaum des Eindrucks erwehren, Ondaatje habe sich mit diesem lyrischen Abenteuerroman von etwas befreien wollen. Dafür aber setzt er dem Leser enge Grenzen, an keiner Stelle gestattet er ihm, eigene Bilder und Phantasien zu entwickeln. Die Erzählstränge reichen fragmentarisch bis in die Gegenwart, verlaufen aber oft im Unklaren. Gegen Ende des Buches wird es immer mühsamer, diesen zu folgen oder sie gar sinnvoll zu entwirren, zumal etliche Protagonisten sehr distanziert und kühl beschrieben werden. Empathie kommt so nicht auf. Vom Pianisten Mazappa lernt der Junge Michael Du darfst Dich nie für unwichtig im großen Zusammenhang des Lebens halten. Dass man sich aber nie für zu wichtig halten sollte, hat keiner hinzugefügt. Obwohl dem Roman das sicher gut getan hätte. Was immer die Intention des Autors war ? die Berechnung seiner Konstruktion hat Schönheitsfehler Der Autor: Michael Ondaatje ist wurde 1943 in Colombo,Sri Lanka, damals Ceylon, geboren und lebt nach etlichen in England verbrachten Jahren heute als eingebürgerter Schriftsteller und Dichter in Kanada. 1992 gelangte er mit dem später verfilmten Roman Der englische Patient zu Weltruhm. Michael Ondaatje, Katzentisch, 297 Seiten Hanser Verlag 2012, ISBN 978-3-446-23858-9 Kommentare
Linus Reichlin: Die Sehnsucht der Atome
Ein äußerst ungewöhnlicher Kriminalroman ist "Die Sehnsucht der Atome" von Linus Reichlin. Denn bei der im Titel erwähnten Sehnsucht der Atome geht es um einen Lehrsatz der Physik, der als Grundlage für die Existenz von Leben gilt. Danach treiben Atome, die stets aus einem Kern und Elektronen, die diesen Kern umgeben, bestehen, einen Zustand an, in dem ihre Schalen voll sind. Lediglich das Heliumatom wird nicht getrieben von dieser Sehnsucht, sich zu binden und geht mit keinem anderen Atom eine Symbiose ein. So wie das in sich ruhende Heliumatom fühlt sich auch Inspektor Hannes Jensen aus Brügge, der nach dem Tod seiner Frau keine neue Bindung eingegangen ist. Doch der Autor spielt Schicksal und führt ihm eine wunderschöne Frau zu, die ihn nicht nur vollkommen verwirrt, weil sie blind und herrisch ist, sondern zusätzlich noch über intuitive seherische Fähigkeiten verfügt, die ihm rätselhaft bleiben. Und das geschieht so: Eine Morddrohung, die ein amerikanischer Tourist erhält, ruft Inspektor Jensen auf den Plan. Da er den Mann als paranoiden Alkoholiker einschätzt, nimmt er dessen Hilferuf nicht ernst und hinterlässt lediglich seine Visitenkarte bei den Zwillingskindern, die im Gefolge des Mannes eine Weltreise unternehmen. Doch schon am nächsten Tag ist der Tourist ohne erkennbare Spuren von Fremdeinwirkungen tot, und die Zwillinge sind verschwunden. Jensen, der sich schuldig fühlt, die Drohung nicht ernst genommen zu haben, macht sich auf die Suche nach den Kindern und will den Fall klären. Dabei wird er von einer geheimnisvollen Blinden begleitet, die offenbar mehr über den Fall weiß, als sie dem Kriminalbeamten mitteilt. Als die beiden feststellen, dass auch die Mutter der Zwillinge urplötzlich verstirbt, wird Ihre Reise zum Wettlauf gegen die Zeit. Denn parallel zu ihnen ist ein weiterer Mann, der sich gewalttätig seinen Weg bahnt, auf der Suche nach den beiden Kindern. Die Irrfahrt führt sie schließlich in das Innere von Mexiko, wo eine legendäre Heilerin in einem abgelegenen Bergdorf Hof hält und auch die Zwillinge beherbergt. Hier laufen nun alle Fäden aus erklärbaren und unerklärbaren, aus rationalen und spirituellen Welten zusammen, und selbst der sich vermeintlich für einen mit der Struktur eines Heliumatoms ausgestattete Jensen sehnt sich in einer alkoholschweren Nacht nach Verschmelzung und nähert sich der schönen Blinden. Reichlin präsentiert einen intelligenten Kriminalroman, der die klassischen Grenzen des Genres überschreitet und sich auch einer klassischen Lösung entzieht. Der Titel des Buches hatte mich lange davon abgehalten, es trotz Empfehlungen zu lesen, zumal meine Physikkenntnisse unterirdisch sind, und ich auch nach der Lektüre des Buches nicht verstanden habe, wie denn die Verschmelzung der Atome nun eigentlich funktioniert. Dabei war mir indes vorher klar, dass der Mensch kaum dem Heliumatom ähnelt und schon aufgrund seiner Struktur Partnerschaft sucht. Deshalb überraschte es mich auch nicht, als der Inspektor nach Genuss diverser Flaschen Rotwein und Tequila auf Verschmelzung drängte ? Linus Reichlin Die Sehnsucht der Atome. Kriminalroman Eichborn 2008 ISBN 978-3-8218-5835-7 Kommentare
Ein Vergnügen: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Der skandinavischen Literatur wird gern eine depressive Schwere nachgesagt. Je nördlicher die Erzähler angesiedelt sind, desto lichtloser seien ihre Werke, hört man immer wieder. Jonas Jonasson, ein gebürtiger Schwede, brach nach 20 Jahren seine Zelte im Norden ab und zugvogelte gen Süden in den Schweizer Kanton Tessin. Vielleicht war das der entscheidende Grund, dass er ein federleicht geschriebenes Roadmovie zu Papier brachte, das völlig verdient als Münchhausiade erster Ordnung in luftige Höhen der Hitparaden fliegt. Hauptheld Allan Karlsson ist ein Aussteiger wie er im Buche steht: An seinem 100. Geburtstag entkommt der rüstige Senior aus dem Altenheim, während der Stadtrat samt Presse und Heimleitung zur Feierstunde wartet, um ihn wie ein Tier im Käfig zu begaffen, für ihn zu singen und ihn mit Torte zu füttern. Ohne Hut und in Pantoffeln schafft es Allan bis zum Bahnhof, wo er einen großen Koffer mitgehen lässt, der sich später als Depot eines Räuberschatzes offenbart. Gejagt von einer Motorradgang, die den wertvollen Koffer wieder zurückhaben will, sowie von einem ehrgeizigen Staatsanwalt und der Polizei, die glaubt, der alte Herr sei entführt worden, gerät der Protagonist in immer neue wundervolle Situationen und lernt dabei Typen können, die allesamt aus eigenen Romanen entstiegen sein könnten. Denn jeder Einzelne von ihnen ist eben solch ein Sonderling, wie Allan einer ist. Deshalb ziehen sich die Figuren auch magisch an, stehen einander bei und erzeugen gemeinsam ein Tohuwabohu, dass an Spaß und Genussfreude nichts zu wünschen übrig lässt. Geschickt eingeflochten in die absurde, sich orgiastisch steigernde Spielhandlung ist die Biografie des Hundertjährigen, die ebenso fantastisch und märchenhaft ist wie seine Flucht aus dem Siechenheim. Dabei schraubt sich auch diese Lebensgeschichte in immer groteskere Höhen: Aus einem Knaben, der gern mit Knallfröschen spielt, wird ein Sprengstoffexperte, der im spanischen Bürgerkrieg versehentlich dem Faschistengeneral Franco das Leben rettet, darauf unter dessen Schutz nach Amerika reist und erneut durch Zufall ? stets verbunden mit einem Saufgelage und einer opulenten Mahlzeit ? den entscheidenden Hinweis für den Bau der Atombombe gibt und damit Duzfreund von US-Präsident Truman wird, Stalin ärgert, Maos Geliebte rettet, Kim Il Sung trifft und sich mit vielen anderen Potentaten und Staatschefs betrinkt ? Im Ergebnis treffen der Hundertjährige, ein für unschuldig erklärter Gelegenheitsdieb, ein ewiger Student, seine schöne Verlobte und deren Haustiere, ein Elefant und ein Schäferhund, ein religiös gewordener Lebensmittelgroßhändler, ein einstmals einsamer Kriminalkommissar sowie ein ehemaliger Gangsterboss mitsamt Mutter aufeinander. Mittels Schnaps, vertrackter Zufälle und einem Lerneifer, der ihnen ein gemeinsames Überleben sichert, findet sich diese herrliche Truppe und beschert dem Leser, der an ihren Abenteuern teilhaben darf, ein Meisterwerk literarischer Hochkomik, das seinesgleichen sucht. Ein wundervolles leichtes Stück Literatur, das Regenwolken vom Himmel bläst und die Sonne wieder scheinen lässt. Jonas Jonasson Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand Roman Carl´s Book in der Verlagsgrupe Random House ISBN 978-3-570-58501-6 Kommentare
Adam Fletcher: Festmahl für Freunde des schwarzen britischen Humors
Der in Berlin lebende Brite Adam Fletcher schwelgt in Worten und Begriffen. Bereits beim Titel seines Buches ?A Picnic For Perverts? fragt sich der Rezensent, ob damit wohl ein gemeinsames Mahl von Perversen beschrieben wird oder der Autor den Begriff der Pervertierung verwendet und damit im übertragenen Sinne ein Picknick von Entstellten, Missbrauchten, Verdrehten, Verhunzten, Verstümmelten und Verkorksten meint. Um sicher zu gehen, befragt er den Verfasser. Der antwortet, sein Titel habe keinen Bezug zum Buch und wäre lediglich ein Hinweis auf sein ungewöhnliches Verständnis von Humor. Dabei greift schon der erste der Texte in dem Band den Begriff ?Picnic For Perverts? auf. Es ist ein Brief an Tom Six, den Regisseur des niederländischen Horrorfilms ?Der Menschliche Tausendfüßler?. In diesem unter Horrorfans heiß diskutierten Streifen näht ein verrückter deutscher Chirurg zwei Amerikanerinnen und einen Japaner, die er gefangen hält, zusammen, indem jeweils die Nase des einen in das Arschloch des anderen gesteckt wird. Nachdem er sich während der Vorführung in eine Tüte seines Lieblings-Popcorns mit Käsegeschmack, das er bei der Gelegenheit wärmstens empfiehlt, übergeben hat, fragt Fletcher in seiner in den Brief eines begeisterten Studenten gekleideten Rezension, warum jemand ein derartig ekelhaftes und unnützes Werk in eine Welt setzt, die bestenfalls ?A Picnic For Perverts? sei. Und er ergründet den Sinn des Films, dem er unterstellt, er müsse einfach einen tieferen Sinn haben. Schließlich entdeckt er ihn in der Erkenntnis, dass wir doch alle irgendwie in die Münder unserer Mitmenschen scheißen. Wie die Charaktere des Films unlösbar aneinander geschmiedet sind, so sei die gesamte Menschheit in ihrem Schicksal miteinander verwoben. In ?Quadrup?, der umfangreichsten Geschichte des Bandes, wird der Leser auf einen weit entfernten Planeten gleichen Namens entführt. Er begegnet dem Propagandisten eines Managementprogramms gegen die Bevölkerungsexplosion, denn die Quadruper vermehren sich rasend und sollen deshalb überredet werden, auf den Planeten Erde umzusiedeln, auf dem es vergleichsweise ausreichend Raum gibt. Nun stellt sich diese Werbeaktion für Umsiedlungswillige äußerst schwierig da, denn auf der Erde ist alles anders als auf Quadrup ? und es ist vor allem aus der Sicht der lebenslustigen Planetenbewohner wesentlich schlechter. Man lebt auf der Erde eingepfercht in ein System, das sowohl die Arbeit ? als auch die Freizeit reglementiert. Es ist verboten, abgesehen von den Hochburgen einiger Spezialreligionen, mehr als eine Frau zu haben. Kurz, es gibt keinen vernünftigen Grund, Quadrup zu verlassen. So liest sich der Dialog zwischen dem Umsiedlungswerber und seinem ?Opfer? wie eine karnevalistische Büttenrede über die Unzulänglichkeit des Daseins auf dem Planeten Erde. Doch schließlich wandert wie von Zauberhand ein irdischer Schokoladenriegel in den Mund des umworbenen Bewohners von Quadrup. Und siehe da: Der Mann wechselt für den zu erwartenden Genuss der Süßigkeit in Permanenz vom Paradies in die Hölle und unterschreibt. (Hat der Autor beim Verfassen dieser Geschichte gar das Beispiel mancher DDRler vor Augen, die ihre Seele für ein Bündel Bananen verkauften?) Auf diese Parodie folgt eine Parabel, die im dreiaktigen Bauprinzip der aristotelischen Dramatik verfasst wurde: Das Schaf Trudy, wer möchte es im verwehren, macht sich nach zehn Jahren gedankenlosem Grasen Sorgen um seine Zukunft. Es macht sich auf den Weg zu Periwinkels Farm, um sich einem Vorstellungsgespräch zu stellen. In modernen Zeiten einen Job als Schaf in einer Schafherde zu finden, ist schwer, und Trudy zittert vor dem Bewerbungsausschuss, dem sie sich stellen muss. Zusätzlich verunsichert wird sie durch Jimmy, einen Gorilla, der ebenfalls den Job haben möchte, weil Gorillas aus der Mode gekommen sind und ihr Habitat weitgehend vernichtet wurde. Vor dem unerbittlichen Prüfungsausschuss hinterlässt Trudy keinen besonders günstigen Eindruck. Sie kann zwar enorm viel Gras fressen und Wolle produzieren und entspricht damit den formalen Anforderungen der Stelle. Leider weiß sie jedoch weder etwas über die Geschichte und Bedeutung der Farm noch hat sie als Herdentier je zuvor spezielle Führungseigenschaften bewiesen. Auch als Teammitglied hat sie nie ein anderes Ziel verfolgt, als mit den anderen gemeinsam Gras zu vertilgen. Sammy, der Gorilla, hat sich hingegen zuvor im Internet über die Farm informiert und kann einen ausführlichen Vortrag halten, der in einem verlogenen Lobgesang auf die dort produzierten Eier mündet. Er kann ein wichtiges Zertifikat in Schafkunde vorweisen, wenngleich er eingestehen muss, dass er keine Wolle auf seinen Körper wachsen lassen kann, obwohl er über das Thema des Wachstums von Schafwolle auf Körpern promoviert hat. Zusätzlich kann er hervorragende Führungseigenschaften vorweisen und beantwortet die Frage der Kommission nach seinen Schwächen mit ?Übereifer? und ?Arbeitswut?. Keine Frage. Der Job als Schaf geht an Jimmy, den Gorilla. Trudy, das Schaf, sucht sich darauf einen Job in einem Wolfsrudel, dem sie als Lockvogel dient. Als das Rudel erfährt, dass auf Periwinkels Farm ein besonders riesiges Schaf weidet, wird der Bauernhof überfallen und Trudy trifft ihren einstigen Mitbewerber wieder, der in einem übergroßen weißen Wollmantel versucht, einen guten Job als Schaf zu machen. Als Trudy ihm von ihrer Mission erzählt, weist Jimmy sie fassungslos darauf hin, dass er ein Gorilla sei, den Wölfe nicht mögen. Sie verspricht ihm, sein Geheimnis zu wahren und gibt ihr Bestes, in ein Geheul einzustimmen, das die Meute zum Festmahl ruft ? Mal absurd, mal philosophisch geht es auf diese Weise weiter in Fletchers kruder Zusammenstellung. Er liefert Hochgenuss für den, der schwarzen Humor liebt und Freude am akrobatischen Spiel mit Worten hat. Mir hat die Lektüre enorm viel Spaß geschenkt, es ist eines der abwechslungsreichsten Bücher, die mir in jüngerer Zeit vor die Füße gefallen sind, wenn auch mein Englisch dem Sprachwitz des Autors nicht immer standgehalten hat. Adam Fletcher A Picnic For Perverts Kindle-Edition 2012 http://www.amazon.de/A-Picnic-For-Perverts-ebook/dp/B008ERMIKG Kommentare
Preis für Online-Autoren: 20 000?
Liebe Leser und auch hier lesende Autoren, für alle, die gerne mit ihrem Schreiben ein bißchen Anerkennung bekommen wollen: Es ist gerade ein Preis für Online-Autoren ausgelobt worden, den man sich vielleicht nicht entgehen lassen sollte: http://www.epubli.de/specials/schreibwettbewerb Ab sofort können selfpublisher ihre Werke kostenlos auf www.epubli.de veröffentlichen und zur Wahl stellen. Die Kategorien Belletristik, Sachbuch, Wissenschaft, Kunst und Fotografie Die Siegprämie: 20 000? können am 10. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse in Empfang genommen werden Beim ersten mal waren 1000 Autoren am Start. 20 000 Leser stimmten ab. Stellt euch also zur Wahl. Viel Erfolg Kommentare
Guillaume Musso - Nachricht von Dir
Flughäfen sind hektische Orte. Am New Yorker Flughafen haben Madeline aus Paris und Jonathan aus San Fransico einen folgenschweren Zusammenstoß. Sie liefern sich einen kurzen, aber heftigen verbalen Schlagabtausch, sammeln ihre fallengelassenen Habseligkeiten ein und gehen jeder wieder ihres eigenen Weges. Denken sie. Dummerweise haben sie in der Aufregung des Getümmels ihre Smartphones identischer Bauart vertauscht, was sie aber erst nach ihren jeweiligen Flügen verärgert bemerken. Sie nehmen Kontakt auf und vereinbaren, die Smartphones per Post zu tauschen. Natürlich kann keiner der beiden widerstehen und beginnt, in den Untiefen des Smartphones des anderen zu stöbern. Es kommt, wie es kommen muss und schon Galileo wusste: Neugier steht immer an erster Stelle des zu lösenden Problems. Sie entdecken nämlich nicht nur die Geheimnisse des anderen, sie entdecken auch eine schier unwahrscheinliche Verbindung zwischen ihnen beiden. Eine Verbindung, die tief in ihre Vergangenheit reicht und schlussendlich zur Lösung ihrer beider Probleme führt. Mehr sei hier über den Inhalt nicht verraten, es würde den Spaß an den originellen Wendungen und Irrungen, die der blühenden, überbordenden Phantasie des Autor entspringen, erheblich schmälern. Nachricht von Dir beginnt im Stil einer amerikanischen Screwball-Komödie und wechselt völlig unerwartet zu einem spannungsgeladenen Thriller samt Verfolgungsjagden, Entführungen und was sonst noch so alles in das Genre Thriller gehört. Die romantische Grundidee bleibt erhalten, auch der rasant beschleunigte Roman hat noch Platz genug für eine Liebesgeschichte. Madeline und Jonathan verbindet nicht nur das Geheimnis, sie verbindet auch ein ähnliches Schicksal. Beider Leben haben sich völlig anders entwickelt als geplant, beide haben einen Schock zu überwinden, beide haben sich ein zweites Leben völlig verschieden von ihrem ersten aufgebaut. Aber es ist noch nicht das Leben, was sie wirklich ersehnen. Wird der Krimi, in den sie unversehens geraten und der sie zunächst zu Komplizen macht, die Wendung bringen? Nachricht von Dir trägt im französischen Original den Titel L'appel del'ange (der Ruf des Engels) und bietet auch die Chance zur Reflexion über Schicksal und die Gnade einer zweiten Chance. Der französische Bestsellerautor Guillaume Musso wird seinem Ruf gerecht und hat mit seinem neuen Roman in erster Line eine unterhaltsame Geschichte abgeliefert. Eine Geschichte, die so vor 10 Jahren noch nicht möglich gewesen wäre und am Rande auch den Zeigefinger für den technikaffinen Leser hebt, dessen Smartphone für ihn die Welt bedeutet. Denn die Liste der Dinge, die Smartphones können und für die sie verantwortlich sind, wird schliesslich immer länger. Mussos Sprachstil bewegt sich in gekonnter Erzählkunst, hohe Literatur ist es gleichwohl nicht. Er ist sich nicht zu fein, ausgelutschte Formulierungen zu bemühen, manche Wendungen sind an den Haaren herbeigezogen, manchmal schrammt er haarscharf an Übertreibungen vorbei, manche Parallelen gar sind arg überkonstruiert, die finsteren Mächte des Schicksals werden mehr als einmal zu oft beschworen. Störend auch, dass so mancher Faden kommentarlos fallen gelassen wird ? einige klärende Sätze zum Schicksal von Madelines Verlobtem z.B. wären nett gewesen. Es scheint, als hätte der Autor diesen schlicht und ergreifend vergessen. Was dem Buch ebenfalls gar nicht gut tut und beim aufmerksamen Leser das Gefühl der Flüchtigkeit erweckt, sind kleine Fehler, die sich möglicherweise aber auch bei der Übersetzung eingeschlichen haben. So gibt es keine Fernsehserie namens Bob, der Schwamm (sie heißt Spongebob Schwammkopf ) und es tut auch wirklich nicht not, Star Trek mit Star Treck zu übersetzen. Während so manche Ausdrücke zum Teil kleinlich wortgetreu übersetzt oder umschrieben werden, bleibt der da Vinci Code auch in der deutschen Übersetzung der da Vinci Code, obwohl er dem deutschen Leser und Kinogänger wohl eher als Sakrileg bekannt sein dürfte. Auch wenn ich als Übersetzer eher dem geschriebenen als dem bewegten Medium zugetan bin, ein wenig Recherche könnte nicht schaden. Diese Kritik mag kleinlich erscheinen, aber es sind solche Dinge, die einen Roman unrund und hingehuddelt wirken lassen. Denn das hat er eigentlich nicht verdient. Der Roman ist originell und schlägt jede Menge unerwarteter Finten und Volten, die Spaß machen. Dem unterhaltungssuchenden Leser bietet dieses Buch eine wunderbare Pause vom Alltag sowie Anregungen für weitere Pausen. Denn Musso ist ein Sätzesammler, jedem Kapitel stellt er einen Satz aus einem anderen Werk voran, welcher die Stimmung des jeweiligen Kapitels gut einfängt. Musso ist ein Autor mit einem erkennbaren Spaß am Gschichtenerzählen. Mit einer Gesamtauflage von 1,5 Mio Exemplaren ist er DER Bestseller Autor in Frankreich und hat sogar den Branchenprimus Mark Levy deutlich überholt. Nach eigener Aussage ist es ihm ein Anliegen, Geschichten für ein breites Publikum zu schreiben. Der Erfolg gibt ihm bisher Recht. Möglicherweise unterschätzt er allerdings das Risiko, dass ein Autor, der allen wohl und keinem wehe will, irgendwann Gefahr läuft, sich zu verzetteln. Hoffentlich erliegt er zumindest nicht der Versuchung, den Erfolg von Jonathan und Madeline zu wiederholen und die beiden zum neuen Ermittlerpäarchen in Fortsetzung zu stilisieren. In Nachricht von Dir entlässt Musso seine Leser mit einem optimitischen Ende und gibt ihm Hoffnung mit auf den Weg: "Die schönsten Jahre eines Lebens sind die, die man noch nicht gelebt hat". Auch wenn ich an Nachricht von Dir durchaus Spaß hatte, gebe ich die Hoffnung an Musso zurück: Mögen die schönsten Bücher seines Lebens die sein, die er noch nicht geschrieben hat. Guillaume Musso Nachricht von Dir Pendo Verlag 2012 453 SeitenISBN 978-3-866612-313-7 Kommentare
Peter Stamm: Agnes - ein zeitlos aktuelles Buch
Luxus-Eisenbahnwagen sind auf Dauer nicht das ergiebigste Thema, dem man sich widmen kann. Ein Schweizer Autor, der sich mit Sachbüchern über abseitige Themen einen Namen gemacht hat, recherchiert über eben diese und ist dabei dankbar für jede Ablenkung. Zu Studienzwecken hält er sich in den USA auf und lernt im Lesesaal der Public Library Chicago die junge Agnes kennen. Agnes, eine Physikerin, fasziniert ihn durch ihre Rätselhaftigkeit und ihr elfenhaftes Wesen gleichermaßen. Zu seinem Erstaunen geht Agnes schnell auf sein Werben ein und die beiden werden ein Paar. Agnes zieht zu ihm, doch sie kommen sich nicht wirklich näher. Nicht so nahe, nicht so verschmelzend, wie der Sachbuchautor, dessen Name der Leser nie erfährt, es gerne hätte. Er versucht zu ergründen, was außer Agnes morbider, fast zwanghafter Beschäftigung mit dem Tod noch zwischen ihnen steht. Agnes Profession als Physikerin scheint nicht zufällig. Obsessiv will sie alles über das Leben und seine Begrenzungen wissen. Ihre Grundlagenforschung über atomare Kristallgitter wird ebenso von einem unerbittlichem Entschlüsselungswunsch getrieben, wie ihr Wunsch, ihre eigene Geschichte am besten schon vorab zu überblicken. Die Liebe ist ihr unheimlich, sie ist ihr nicht begrifflich genug. Auch der Erzähler kann ihre Zweifel nicht zerstreuen, zumal er sich im Laufe der Erzählung auch immer wieder der burschikoseren Louise, dem exakten Gegenpart von Agnes, zuwendet. Agnes wird schwanger und verliert das Kind. Diese Tragödie bringt sie vollends um ihr subtiles Gleichgewicht. Sie drängt ihren Geliebten, ein mehr aus Spaß begonnenes Beziehungstagebuch wieder aufzunehmen und die Geschichte/ihre Geschichte fortzuschreiben. Sie wünscht sich von ihm, dass er ihr ein Leben aus Punkten male, wie die Bilder impressionistischer Künstler. "Glück malt man mit Punkten, Unglück mit Strichen." Durch das Schreiben soll er es schaffen, "das Kind für sie zu machen". Sie habe es ja nicht geschafft. Die Geschichte als Ersatz für das Leben, das ihr abhanden kam. So wird der Ich-Erzähler zum Erfinder, der Report zum Roman: "Jetzt war Agnes mein Geschöpf" - damit nimmt das Unheil seinen Lauf. Halbherzig wehrt er sich zunächst, doch bald schon erliegt er dem Reiz, nicht nur eine Geschichte, sondern auch Agnes nach seinem Willen und Wunsch zu formen. Was nicht gelebt werden kann, soll wenigstens geschrieben werden. Artig bemüht er sich um eine Wendung hin zu einem Happy End. In der Geschichte darf das Kind leben, sie werden eine glückliche Familie. Doch diese Geschichte ist nicht authentisch, das spürt der Erzähler, das spürt auch Agnes. Er schreibt heimlich den Schluß 2. Agnes, von einer manischen Suche getrieben, findet diesen schließlich auf der Festplatte: den folgerichtigen, wahrhaften Schluss der Geschichte und es ist an ihr, ob dieser Schluss wirklich der Schluss ihrer/dieser Geschichte werden wird. "Agnes ist tot, eine Geschichte hat sie getötet". So beginnt der Roman. Ist sie tot, ist sie nur innerlich tot, ist sie für den Erzähler tot, ist der Erzähler für sie tot? Im Buch wird es nicht entschieden, diese Entscheidung wird jedem Leser neu überlassen. Das vorherrschende Thema des Romans ist Identität. Peter Stamms Roman zieht den Leser trotz seiner gleichwohl distanzierten und unterkühlten Sprache in einen Sog unerbittlicher Trauer. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zerfließen, bis einer der beiden Protagonisten daran zerbricht. Es sind zwei im Grunde gleiche Fragen, die zu unterschiedlichen Motiven werden: Agnes, die wissen will, was von ihr bleibt und der Ich-Erzähler, der der Verlockung, sich des Anderen zu bemächtigen, nicht widerstehen kann. Im Spiel der Charaktere läuft alles auf die Frage hinaus: Können wir ohne ein selbst gefertigtes Bild des Anderen auskommen? Es geht aber nicht nur um die Identität einzelner Personen, elegant beleuchtet Peter Stamm auch die Frage nach der Identität eines Buches. Wie viel Erfahrung, wie viel Wahrheit muss einem Roman zugrunde liegen? Kann ein Roman ein Ersatz sein für ein nicht gelebtes oder ein nicht mehr lebbares Leben? Das Reale verwandelt sich ins Mediale, der Roman wird zum Sammelbecken. Es ist dies ein immer wiederkehrendes Dilemma in der Literatur, welches Stamm hier begreifbar vermittelt. Agnes Peter Stamm Fischer-Verlag 2009 ISBN-10: 3596179122 150 Seiten Diese Rezension ist unserer Co-Autorin Jenny gewidmet, verbunden mit einem herzlichen Dank für das schöne Buchgeschenk, welches mich genau im richtigen Moment erreichte. Empfehlend verweisen möchte ich auch auf die bereits 2009 in diesem Blog erschienene Rezension zu Agnes von unserem Co-Autor Everyman. Kommentare
Morbider Wortwitz und grandioser Humor: Thomas Bernhard "Meine Preise"
Arbeitszimmer von Thomas Bernhard in Gmunden, Österreich Foto: © Ruprecht Frieling Wer Thomas Bernhard von seiner witzigen Seite kennenlernen möchte, der ist mit dieser Persiflage auf Verleihungen diverser Literaturpreise an den schreibenden Genius aus Gmunden bestens bedient. 25 Jahre seines Lebens stiefelte Thomas Bernhard in denselben Klamotten durch die Gegend. Er trug sie daheim, unterwegs und auch bei gesellschaftlichen Ereignissen: Dies waren ein knallroter Schafswollpullover, den ihm ein gut gelaunter Amerikaner nach dem Krieg geschenkt und der schon fast alle Städte der Welt gesehen hatte sowie eine graue Hose aus Wolle. Doch am Tag, an dem ihm in der Akademie der Wissenschaften der Grillparzer-Preis verliehen werden soll, entschließt sich der Meister wenige Stunden vor Beginn der Veranstaltung, seine Lieblingsboutique ?Sir Anthony? aufzusuchen und einen Reinwollanzug in anthrazit anzuschaffen. Er wählt dazu passende Socken, ein graublau gestreiftes Hemd und eine Krawatte und behält die Neuerwerbungen gleich an. Die dienstbaren Geister der Kleiderstube packen seine alten Klamotten in eine Tüte mit Werbeaufdruck und Bernhard zieht fein ausgestattet von dannen. Im Foyer der Akademie, in der ihm der Preis verliehen werden soll, hält er Ausschau nach einer Persönlichkeit, die ihn begrüßt ? doch niemand beachtet ihn. Er geht in Begleitung seiner Tante in den Festsaal, in dem die Musiker bereits ihre Instrumente stimmen. Niemand kommt, ihn in Empfang zu nehmen und zu seinem Platz zu begleiten. Schließlich quetscht er sich in eine hintere Sitzreihe und beobachtet amüsiert die wachsende Unruhe, die Festkomitee und Veranstalter befallen. Alle scheinen jemand zu suchen. Bernhard weiß auch, wer das ist. Endlich wird man auf ihn aufmerksam, stürzt herbei und bittet ihn in die erste Reihe. Bernhard besteht nun darauf, vom Festpräsidenten persönlich gebeten zu werden. Der platziert ihn neben die Kultusministerin, die ob der folgenden Elogen auf Grillparzer bald einschläft und ?das bekannte Ministerschnarchen? anstimmt. Bernhard nimmt die Auszeichnung entgegen, sagt aber einfach nur ?Danke? statt große Reden zu schwingen und verlässt die Veranstaltung, ohne dass es jemand bemerkt. Selbstbewusst geht der frisch gekürte Preisträger erneut zu ?Sir Anthony? und gibt den Anzug, der ihm plötzlich viel zu klein zu sein scheint, wieder zurück. Andere Preisverleihungen an Thomas Bernhard gingen weniger glimpflich ab und motivierten ihn zu Schmähreden über die österreichische Ministerialbürokratie, unfähige Kulturbeamte und großkopferte Literaturfunktionäre. Er schaffte es mit seiner unvergleichlich trockenen Art, Preise und Auszeichnungen abzuräumen und gleichzeitig mit seinen Reden die offiziellen Gäste zum fluchtartigen Verlassen der Feststätten zu bewegen. In seiner Prosa liest sich das alles wie eine große Posse, wie Realsatire, die einem phantasiebegabten Hirn entspringt. Doch weit gefehlt: Bernhard erzählt nur unbekümmert, wie es zu dem ein oder anderen Eklat kam und stellt gerade damit sein unvergleichliches Talent unter Beweis. Spannend ist es schließlich, zu den Prosatexten die zugehörigen Festreden zu lesen, die dem Bändchen beigefügt sind. Thomas Bernhard Meine Preise Suhrkamp 2010 ISBN 978-3518461860 Kommentare
António Lobo Antunes: Elefantengedächtnis
Er arbeitet in einer Irrenanstalt und kommt sich selbst wie ein Verrückter vor. Er liebt seine Frau und kann doch nicht bei ihr sein. Er weiß, dass einiges schief läuft in seinem Leben und hat doch nicht die Kraft es zu ändern. Er leidet. Seine Wohnung, in die er nach der Trennung von seiner Familie lebt, ist so leer, dass er sie nicht ertragen kann. Er betäubt seine Einsamkeit mit Alkohol und schläft erst im Morgengrauen auf dem Balkon ein. Lieber hält er es aus, dass eine hässliche Alte sich in einer Kneipe an ihn heranmacht, als nach Hause zu gehen. Er blickt in den Spiegel und erkennt sich nicht wieder. Alle vergleichen ihn mit seinem Vater, in dessen Fußstapfen als Psychiater er tritt. In der Familie gab es viel Streit. Nach der Rückkehr aus dem Krieg in Angola fühlt er sich heimatlos. Seine Gedanken kreisen um glücklichere Zeiten, malen ihm eine Zukunft aus, die es nie geben kann, wenn er weiter lethargisch bleibt. ?In der Notaufnahmen wirkten die Insassen in ihren Schlafanzügen so, als würden sie in der Helligkeit der Fenster wie Unterseereisende zwischen zwei Wassern schwimmen, mit Gesten, die vom tonnenschweren Gewicht der Arzneien verlangsamt sind.? António Lobo Antunes schreibt in Bildern, der Text quillt über von außergewöhnlichen, aber immer treffenden Vergleichen. In diesem Romandebüt, das Antunes im Alter von 35 Jahren verfasste, sind ? so heißt es im Nachwort von Sigrid Löffler ? die wichtigsten Themen von Antunes Werk schon angelegt. Hier noch unverkennbar autobiografisch. Ich bin immer noch beeindruckt von der Bildsprache, der Intensität mit der die Verzweiflung, Entfremdung und Einsamkeit aus den Zeilen spricht. Schreiben als einziger Auweg oder Rettung? Beim Lesen habe ich den Eindruck schon. ?Elefantengedächtnis? hat mich aber auch neugierig gemacht, auf die anderen Romane von Antunes. Und ich glaube schon jetzt zu wissen: Er wird mich nicht enttäuschen. António Lobo Antunes: Elefantengedächtnis. Roman 1979, 224 Seiten, mit einem Nachwort von Sigrid Löffler. Btb Verlag 2006, 8,50 Euro. Kommentare
Said - Landschaften einer fernen Mutter
In einem sehr persönlichen Kontext gab mir eine junge deutsche Frau mit Migrationshintergrund die "Landschaften einer fernen Mutter", einen autobiographischer Text des iranischstämmigen Autors Said. Darin beschreibt und verarbeitet er die wenige Tage nach seiner Geburt vollzogenen Trennung von seiner Mutter. Die Scheidung der Eltern vollzog sich bereits während der Schwangerschaft und es war beschlossene Sache, dass das Kind ausschließlich bei seinem Vater leben sollte. Ein einziges Mal durfte er als Zwölfjähriger die Mutter sehen. Jahrzehnte später: Said ist inzwischen 43 Jahre alt und lebt schon seit langem im deutschen Exil. Überraschend erhält er einen Telefonanruf: die Mutter sei auf dem Weg nach Kanada und möchte ihn, Said, treffen. Nach umständlichen Pass- und Visaverhandlungen begegnen sich die beiden Fremden in Toronto in der Wohnung des ebenfalls unbekannten Halbbruders zum ersten Mal. Drei Wochen verbringen sie gemeinsam in einer Wohnung, drei Wochen, um sich zu begrüßen, kennenzulernen und sich wieder voneinander zu verabschieden. Die Landschaften sind viel mehr als nur eine Erzählung über die allgemeine Erfahrung des Fremdseins. Ausschließlich in Kleinbuchstaben geschrieben fällt der Text den Leser ungedämpft mit all seinem Schmerz und seinen Ressentiments an, der Leser schwankt zwischen Befremden und Betroffenheit. Das zerrissene Verhältnis zur Mutter spiegelt der Autor in der Romankonstruktion wider, sich der Stilmittel des Fragmentarischen, Lückenhaften und eingefügter, scheinbar willkürlich in der Zeit springender Passagen bedienend. Über weite Strecken schafft Said eine beeindruckende Sachlichkeit, eine unterdrückte, beherrschte Traurigkeit, doch spätestens im Epilog zeigt sich seine große Verbitterung über die zweimal verlorene Mutter, die ihn nicht mehr loslässt und auch den Leser noch länger begleitet. Die "Landschaften einer fernen Mutter" sind ein bis zur Exhibition persönliches Buch, über weite Strecken zwar pragmatisch und aus selbstauferlegter Distanz geschrieben, im Epilog dann so undiplomatisch, so radikal von der Seele geschrieben wie nur möglich. Einmal nennt er Kafka, so dass der Vergleich mit dem "Brief an den Vater" sich geradezu aufdrängt. Der große Unterschied besteht darin, daß Said weiß, daß seine Mutter den Abschiedsbrief nie lesen wird. Das Buch an sich ist so eigenartig wie die Erfahrung, die es beschreibt. Streckenweise gerät der Leser zwischen die Fronten, fühlt sich fast zum Schöffen ernannt. Aber wünscht Said die Zustimmung seiner Leser oder die Widerrede? Entscheiden will man hier nicht. Befremden und Betroffenheit mischen sich zu einer seltsamen Leseerfahrung. SAID ist ein im deutschen Exil lebender iranischer Schriftsteller. Er kam 1965 als Student nach München, wo sich seine literarischen Ambitionen schnell mit einem politischen Engagenment und einem Bekenntnis zur Demokratie verbanden, welches eine Rückkehr in den Iran bis heute verhindert. Seit längerem deutscher Staatsbürger schreibt er Lyrik und Prosa in deutscher Sprache mit all ihren Nuancen. Auszeichnungen erhielt er nicht nur für sein literarisches Werk, sondern auch für sein Engagement für politisch Verfolgte, u.a. im "Writers in Prison Committee" . Ich muss gestehen, dass mir der Schriftsteller bisher unbekannt war. Ich war von dem Buch aber tief berührt, werde sicher noch mehr von ihm lesen und empfehle das auch gerne - schon alleine, weil es sich die intellektuelle, gebildete Schicht der Muslime wünscht. SAIDLandschaften einer fernen Mutter Verlag: Dtv (2003) ISBN: 978-3423130431 Kommentare
OZZY OSBOURNE - Fragen sie Dr. Ozzy
Der Untertitel könnte es einfach nicht besser ausdrücken: "Der ultimative Rock`n`Roller klärt auf", ich persönlich hätte als Unter-Untertitel sogar noch "DOKTOR SOMMER WAR GESTERN!" hinzugefügt... Über John Michael Osbourne, denn unter diesem Namen wurde er laut Wikipedia geboren, kann man durchaus geteilter Meinung sein. Die einen lieben ihn die anderen "hassen" ihn, und es gibt sicherlich auch einige "dazwischen". Fakt jedoch ist, nicht nur, das er bis heute erfolgreich ist, seine Fans mitunter mit KOSTENLOSEN Konzerten ( "Ozzfest" ) beglückt und, auch gerade WEIL er viel Erfolg hatte, wirklich eine Menge erlebt hat.Das, und weil es viele noch heute für fast unerklärbar halten, das er seine zahlreichen Alkohol- und Drogen-Experimente und -Exzesse überhaupt ÜBERLEBT hat, "überzeugte" irgendwann auch die Verantwortlichen der englischen Zeitung "Sunday Times", ihm eine Kolummne anzuvertrauen, die bei den Lesern einschlug wie eine Bombe und in ihrer Resonanz sogar die Erwartung der Times übertraf. "Fragen sie Dr. Ozzy" wurde deeeer Renner!Da war es praktisch eine logische Konsequenz und nur eine Frage der Zeit, die mitunter schreiend komische "Korrespondenz" zwischen den Hunderten oder gar Tausenden von Ratsuchenden und dem "Prince of Darkness" als BUCH heraus zu bringen und sie so einem noch größeren Personenkreis bekannt zu machen.Die DEUTSCHE Ausgabe kam Ende November 2011 in Heyne-Verlag heraus.Das "große Böse", vor dem UNZÄHLIGE Eltern, ich glaube, meine KANNTEN ihn nicht einmal (...), ERFOLGLOS ihre Kinder warnten, ist nicht nur älter, sondern auch vernünftiger geworden. Und so gibt es auch viel Ernstes in dem Buch. Dessen Inhalt rutscht aber nie in die Rubrik "moralinsaures Pamphlet" ab, sondern bietet durchaus mitunter lehr-reiche UNTERHALTUNG. Ob man sich die Tips nun zu Herzen nimmt oder nicht, das ist natürlich jedem selbst überlassen, aber ich denke mal, das es in diesem Werk für ( fast ) jeden etwas findet ... :-) NATÜRLICH "darf" ich hier nicht unerwähnt lassen, das es dieses Buch neben der GEBUNDENEN Ausgabe, ebenso als E-BOOK und als HÖRBUCH gibt, in dem die spitzeste Zunge der Medienkritik, OLIVER KALKOFE, dem "Metall-Gott" seine Stimme leiht, was Ozzy nach Meinung vieler ( inclusive mir ) "erlebbar" macht... Gebundene Ausgabe: 352 SeitenVerlag: Heyne Verlag (21. November 2011)Sprache: DeutschISBN-10: 345326780XISBN-13: 978-3453267800Originaltitel: Trust Me, I'm Dr. Ozzy Format: Kindle EditionDateigröße: 802 KBSeitenzahl der Print-Ausgabe: 353 SeitenISBN-Quelle für Seitenzahl: 345326780XVerlag: Heyne Verlag (24. Januar 2012)Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.Sprache: DeutschASIN: B006XC97EE Audio CDVerlag: Universal Family Entertai (25. November 2011)Sprache: Deutsch3 CDsASIN: B005SLGGZEGröße und/oder Gewicht: 14,1 x 12,6 x 1,4 cm Kommentare







